Porsche Taycan Turbo im Vergleich mit dem Tesla Model S P100D

Den Porsche Taycan mit einem Tesla zu vergleichen, ist ja per se schon ein gefährliches Unterfangen. Denn man weiß, dass es die absoluten Tesla-Fanatiker gibt, die über jede Schwäche ihres amerikanischen Lieblingsautos hinwegsehen und genauso die Porsche Enthusiasten, die nicht einfach objektiv die Stärken eines Tesla anerkennen können.
Ich persönlich finde beide Storys spannend. Die des Porsche Taycan Turbo, der für mich derzeit nicht nur der beste Elektrosportwagen der Welt ist, sondern durchaus auch emotional seinen Benziner-Kollegen zeigt, dass wir uns in Zukunft nicht mehr zwischen Vernunft und Spaß entscheiden müssen.
Aber genauso Tesla, die in einem Wahnsinnstempo zum wertvollsten Autohersteller der Welt herangewachsen sind und derzeit im Bereich der E-Mobilität und der Digitalisierung von Fahrzeugen den deutschen Herstellern meilenweit voraus sind.
Ich setze mich also hier mal offiziell für das entspannte Koexistieren der begeisternden Automarken ein und freue mich jetzt, mir mal primär etwas anderes als die typischerweise miteinander verglichenen Beschleunigungs- und Reichweitenwerte anzuschauen.
Denn Ich möchte vor allem testen: Wie fährt sich denn das Tesla Model S P100D im Vergleich zum Porsche Taycan Turbo in schnellen Kurven?

Welches E-Auto ist schneller?

Trotzdem bin ich natürlich neugierig und möchte einmal gucken, wie ein Drag Race zwischen dem 680 PS starken Taycan Turbo und dem 611 PS starken Tesla Model S P100D ausgeht. Deshalb lassen wir die beiden gegeneinander antreten.
Anders als der Taycan Turbo muss der Tesla sich nun noch circa 20 Minuten im Stand „aufladen“, um die Maximalleistung im „Ludicrous-Modus“ abgeben zu können.
Mit dem aufgewärmten Tesla geht es ins Sprint Duell. Beide sind unglaublich stark vom Start weg und bringen die volle Kraft auf den Asphalt. Der Tesla kann sich aber überraschenderweise einen kleinen Vorsprung erkämpfen und ist leicht vor dem Taycan, als wir bei ca. 150 km/h wieder vom Gas gehen.
Den Taycan haben wir dabei übrigens mit 3,0 Sekunden von 0-100 km/h gemessen. Surreale Werte, die die beiden Elektrofahrzeuge da erreichen.

Die Querdynamik des Tesla Model S P100D

Beide tragen etwa 2,3 Tonnen mit sich herum. Wobei der Schwerpunkt im Taycan noch etwas niedriger liegt.
Wir starten zunächst mit dem Tesla Model S P100D. Hier auf den Landstraßen soll der P100D zeigen, wie gerne er sich in eine Kurve legt oder eben nicht. Dazu muss man sagen, dass der Tesla nicht unbedingt den Anspruch hat, querdynamisch zu brillieren.
Und tatsächlich merkt man schon bevor man in die Kurve reinfährt, dass sich das Auto beim Anbremsen nach vorne neigt. Das hohe Gewicht auf der Vorderachse wird dann mit Einlenken in die Kurve durch seitliches Wanken komplett auf das vordere Kurvenäußere Rad transportiert. Als nächstes erwarten einen quietschende Reifen und dass man unter starkem Untersteuern in Richtung Kurvenäußeres geschoben wird.
Aber aus irgendeinem Grund bleibt der Tesla trotzdem relativ stabil und fährt die Kurve letztendlich sehr ordentlich und so, wie man es möchte. Die Lenkung würde ich dabei als unemotional bezeichnen. Sie funktioniert einwandfrei und hat einen guten Lenkwiderstand, fühlt sich aber auch sehr nahbar an.
Insgesamt beschreibt das das gesamte Kurvenverhalten des Model S ganz gut. Er kann deutlich besser mit den physikalischen Gegebenheiten umgehen, als es sich im Auto anfühlt. Dadurch ist man zwar schnell unterwegs, fühlt sich dabei aber eher unwohl.

Die Querdynamik des Porsche Taycan Turbo

Das ganze Gefühl im Elektro-Porsche strahlt Sportlichkeit aus. Man sitzt schön tief, hat ein super schmales Lenkrad im Griff und rollt los, begleitet von einem coolen Elektrosound. Nun noch den Sport Plus Modus eingestellt und das Luftfahrwerk setzt den Elektrosportwagen nochmal ein wenig näher an die Straße. Außerdem greift das ESP jetzt auch deutlich später ein.
Und dann geht es in die erste Kurve, kurz angebremst, mit dem Lenkrad den Scheitelpunkt anvisiert und, ohne mit der Wimper zu zucken, fährt der Taycan haargenau dahin, wo man ihn haben wollte. Kein Wanken, nichts. Mit dieser Erkenntnis geht man früh wieder aufs Gas, lässt sich schön ans Kurvenäußere hinaustreiben und erfreut sich trotz Allradantriebs am leichten Übersteuern.
Nach diesem Erlebnis muss man erstmal kurz anhalten und das Auto noch einmal von außen betrachten. Ist es wirklich ein 2,3 Tonnen schwerer Taycan, den ich da gerade bewege oder habe ich mich doch aus Versehen in einen 911 gesetzt?
Die Querdynamik des Porsche Taycan Turbo ist einfach verblüffend gut und nicht wirklich von einem Porsche 911 zu unterscheiden. Hier merkt man, dass die Stuttgarter Ingenieure um jeden Preis einen Elektro-Sportwagen erschaffen wollten. Und das ist ihnen gelungen - par Excellence.

Im Fazit - Querdynamisch kann es nur einen geben

Der Porsche Taycan Turbo ist also um Welten besser, wenn das Einsatzgebiet in Richtung Rennstrecke geht. Oder schnellere Landstraße. Und nur das wollten wir uns hier anschauen. Andere wichtige Themen, wie dass die Reichweite des Tesla die des Taycan deutlich überragt oder er deutlich günstiger ist, lassen wir heute mal außen vor. Und erfreuen uns erstmal daran, dass die deutschen Hersteller auf dem Gebiet der Sportlichkeit auch im E-Bereich erstmal nicht so einfach zu schlagen sind.

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