Wir testen, wie weit der VW ID3 bei Minusgraden auf der Autobahn kommt!

Generell sind Autobahnen ja schon nicht der Lieblingsplatz von Elektroautos. Hier ist der Luftwiderstand der große Feind, der den Verbrauch schnell in die Höhe treibt. Aber wollen wir die Verbrenner tatsächlich in die Vergangenheit verbannen, müssen E-Autos auch hier eine ordentliche Reichweite erzielen, damit auch Vielfahrer umsteigen können.
Wir haben trotzdem die Herausforderung nochmal vergrößert und den Reichweitentest auf der Autobahn im Winter bei Minusgraden durchgezogen. Wohlwissend, dass wir hier am Ende die wohl die kleinste Reichweite auf dem Tisch haben, die mit dem ID.3 zu erreichen ist.
VW selbst spricht bei der 58 kWh Variante des ID.3 übrigens von einer kundennahen Reichweite von 300-420 km. Also lassen wir uns mal überraschen.

Erstmal muss man das E-Auto zu 100% voll laden

Bei Minus 6 Grad stecken wir den Stromer zunächst mithilfe eines CCS-Steckers an eine Schnellladesäule mit über 135 kW Leistung. Doch wie es leider immer noch häufiger passiert, mag die Säule keinen Strom abgeben. Ob es am Auto, Ladesäule oder der App liegt, klären wir nicht auf, weil wir nicht in den Servicehotlines unsere Zeit verschwenden wollen und fahren lieber zum nächsten Ladeplatz, der zum Glück gleich ums Eck liegt.
Hier haben wir sogar das Glück, maximal mit 150 kW laden zu können. Laut VW kann der ID3 bis zu 100 kW laden. Unserer hat noch 53 % und wird für die restlichen 47% eine Stunde brauchen. Dabei lädt er anfangs mit ca. 35 kW und reduziert die Leistung bei den letzten 10 % auf etwa 15 kW. Das dauert also deutlich länger als gehofft. Die Empfehlung, im Infotainment den Akku nur auf bis zu 80% vollzuladen, übergehen wir dabei galant, da wir jetzt die volle mögliche Reichweite testen wollen.

Der erste Teil: 95 km Strecke von München nach Garmisch-Partenkirchen

Ort des Tests soll die A95 von München nach Garmisch und wieder zurück sein.
Der Bordcomputer verspricht übrigens, obwohl die Batterie ganz voll ist, selbst nur 235 km Reichweite.
Das mag wohl an den Temperaturen liegen, entspricht aber eben nicht der kommunizierten Reichweite von VW.
Die ersten Minuten auf dem Weg zu Autobahn liegt der Verbrauch bei 20 kWh/100 km. Doch auf der Autobahn schnellt dieser in die Höhe und nach einem Ausflug auf der linken Spur mit ca. 150 km/h befindet sich der Verbrauch eher in Richtung 30 kWh/100 km.
Dennoch können wir mit dem Stromer das trotz eisigen Temperaturen sonnige Wetter genießen und gleiten ohne Motorengeräusche ganz locker über die Autobahn.

Zwischenstand mit dem ID3 in Garmisch nach 100 km Autobahnfahrt

Die Fahrt hat ganz schön Strom gezogen, trotzdem hat der Bordcomputer zumindest bisher nicht unbedingt falsch gelegen und nach den nun etwa 100 gefahrenen Kilometern zeigt er eine Restreichweite von 130 km an.
Es entsteht also nicht das Gefühl, dass die Reichweite verloren geht, so wie man es zum Beispiel bei Verbrennern kennt, wenn man eine gewisse Zeit über 200 Sachen fährt.
Deshalb geben wir wieder das Ziel München ins Navi ein und wundern uns, dass uns ein Ladestopp angezeigt wird, obwohl die Streck wieder nur etwa 90 km beträgt. Ab wann das Auto hier einen Ladestopp anzeigt, ist hier also nicht ganz ersichtlich.
Wir planen aber natürlich, ohne Ladestopp durchzufahren.

Zurück nach München - hält die Batterie durch?

Wir drehen also um und versuchen auch mal, die Endgeschwindigkeit des Stromers zu erreichen, welche abgeriegelt bei 160 km/h liegt.
Aber auch das lässt die Reichweite zum Glück nicht ins unermessliche Fallen. Am Ende kommen wir ohne Probleme und ohne Zwischenstop wieder in München an und haben nach 175 gefahrenen Kilometern noch eine Restreichweite von 33 km. Würden also am heutigen Tag kaum über 200 km schaffen. Der Verbrauch lag bei durchschnittlich 27 kWh/100 km.
Trotzdem haben wir unser Ziel zumindest erreicht, was mich positiv stimmt.

Fazit beim VW ID.3 Reichweite-Test

Natürlich liegt die tatsächliche Reichweite heute ganz woanders als von VW versprochen. Wir haben die Bedingungen aber auch so ungünstig wie möglich gestellt. Deshalb muss am Ende jeder selbst entscheiden, ob er damit leben kann, im schlechtesten Fall nur unter 200 km zu kommen. Für mich ist es jedenfalls für längere Strecken nicht ausreichend und ich würde mir das coole E-Auto nur für die Stadt zulegen, wo er in meinen Augen echt brillieren kann.

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