Unser neuer BMW M4 Competition Baureihe G82 im Test - Ist er ein waschechter Sportwagen?

Wir haben den neuen BMW M4 mit dem Verkaufsstart im März 2021 direkt in der BMW Welt abholen dürfen. Anschließend mussten wir uns jedoch erstmal 2000 quälenden Einfahrkilometern mit Halbgas hingeben.
Jetzt aber ist der Hobel richtig eingefahren und wir können das ganze Auto ordentlich unter die Lupe nehmen. Wobei wir natürlich schon in Teilen während des Einfahrens gemerkt haben, welches Potenzial im neuen BMW M4 Competition steckt.
Wenn Sie selber in den Genuss des Sportwagens aus Bayern kommen wollen, können Sie gerne bei uns den BMW M4 mieten.

Wie schlägt sich das bayerische M-Modell in der Querdynamik?

Fangen wir erstmal mit dem für mich Wichtigsten an. Und zwar: wie geht der neue BMW M4 Competition um die Kurve? Der M4 bzw. M3 ist ja seit jeher ein hochgeschätzter Alltagssportwagen, den man ohne Probleme als Tracktool benutzen kann.
Es ist also der Anspruch, das Fahrwerk so abzustimmen, dass man auf der Rennstrecke nicht mehr spürt, dass das „nur“ eine straßenzugelassene Spaßmaschine ist. Dabei ist er bisher zumindest immer recht leicht auf der Hinterachse gewesen, sodass der Spaß durch das praktisch ständig kommende Heck keine Grenzen kennt, wohl aber vor allem bei etwas schlechter werdendem Wetter einen großen Rundenzeiten-Rückstand auf die mit deutlich mehr Grip gesegneten Gefährte von Porsche bedeutet.
Das Fahrverhalten entspringt dem Naturell der Bauweise, mit dem Motor vorne und der Antriebsübersetzung rein auf die Hinterräder. Jetzt nur noch ein bisschen Drehmoment durch die beiden Turbolader und schon verliert der BMW die Haftung.

Aber hier dran hat BMW ordentlich gearbeitet. Der neue M4 soll deutlich mehr Grip aufbauen und dabei Die DNA mit dem heckbetonten Fahrverhalten nicht verlieren. Unter anderem gibt es ihn nun auch optional mit Allradantrieb zu bestellen.
Aber auch das sonstige Grip Niveau hat durch einige technische Finessen einen großartigen Sprung gemacht. Zum Beispiel sind die Hinterräder im Vergleich zu den Vorderrädern ein Zoll größer, was das Einlenkverhalten auf das Niveau eines Porsche 911 bringt.

Die super leichte Vorderachse setzt schnelle Lenkbewegungen gnadenlos direkt um, und das ganze Auto gibt dir schon in diesem Moment das Gefühl, dass es die Kurve unbedingt fahren möchte. Dabei wird er aber nicht nervös und man gleitet stabil in Richtung Scheitelpunkt.

Wenn man alternativ am Kurveneingang stark anbremst, kann man das Heck auch schon leicht quer in die Kurve anstellen, sodass man mit einem breiten Grinsen am Scheitelpunkt wieder auf dem Gas, komplett quer, durch den Kurvenausgang driftet.
Aber wir wollten ja keine Zeit verlieren und die Kurven präzise und auf dem größtmöglichen Grip-Niveau fahren. Und hier verträgt das Heck eben jetzt deutlich früher mehr Gas. Sodass man wirklich schnell um die Kurve ballern kann, ohne Angst zu haben, das Hinterteil jeden Moment wieder einfangen zu müssen.
Trotzdem fragt man sich vor jeder Kurve, ob man nicht eigentlich lieber wieder wie ein Cowboy den Asphalt bemalt.
Und das macht ihn für mich zum echten Querdynamik Brett. Und ehrlich gesagt, auch wenn ich es nicht erwartet habe, hat der M4 dadurch, dass er nun beides kann, hier im Vergleich mit einem Porsche 911 durch den größeren Spaßfaktor die Nase vorn.

Das Herz des M4: ein doppelt aufgeladener Reihensechszylinder

Kommen wir zum Motor des BMW M4 Competition. Ein doppelt aufgeladener Reihensechszylinder mit atemberaubenden 510 PS und 650 NM Drehmoment hat hier seinen Platz gefunden. Und ja, bei diesen Daten denkt man eher schon an seinen großen Bruder, den M5.
Aber nein, inzwischen hat auch der kleinere ein technisches Datenblatt vorzuweisen, bei dem man wirklich mal langsam denkt, ob das nicht zu viel des Guten ist. Paradoxerweise lässt BMW selbst verlauten, dass der Motorblock technisch so stark aufgebaut und verstärkt ist, dass mit ein bisschen Spielerei an den Turboladern theoretisch weit über 750 PS möglich sind.

Aber auch so ist der Motor eine Wonne. Bietet er doch zu jeder Zeit auch schon untenrum sofort ansetzendes, brachiales Drehmoment und beschleunigt trotzdem mit einem schönen Peak im höheren Drehzahlband unfassbar schnell und aufregend.
In Zahlen heißt das 3,9 Sekunden für die Beschleunigung von 0-100 km/h. Wir haben auch die 100-200 km/h gemessen und sind hier bei 7,8 Sekunden gelandet. Das ist schneller als ein Porsche 911 Carrera S. Und auch jenseits der 250 km/h marschiert der Bomber munter weiter.
Kurzum, es ist der perfekte Motor für das M-Modell.

Die neue BMW Niere polarisiert

Über das Design wurde wohl vor dem Marktstart am meisten gestritten, wobei der Aufhänger eigentlich immer der gleiche, nämlich die riesige Niere an der Frontstoßstange war. Auch ich war anfangs nicht vollends überzeugt, ob das in echt gut aussieht.
Aber hier muss ich uns mal selbst loben. Wir haben unseren in Sao Paolo gelb bestellt. Diese Farbe harmoniert sehr gut mit dem schwarzen Grill und gibt ihm das Gesicht eines Säbelzahntigers.
Damit ist die neuerliche Optik des Grills komplett vergessen und das Auto schreit einen förmlich an: Hier bin ich und jetzt Platz da. Das Heck ist unbestritten gelungen und die Gesamtform gefällt mir ausgesprochen gut.
Ich finde das Design insgesamt also sehr gelungen!

Soundcheck - Der BMW M4 Competition trompetet noch

Soundtechnisch hat der M4 mit dem OPF hinten raus etwas abgenommen. Aber ich empfinde das Soundbild und auch die Lautstärke ziemlich gelungen. Denn man bekommt Gehör-technisch schon mit, dass da ein Muskelpaket unter der Haube schlummert, dieser aber gefühlt Gentleman-like etwas zurückhaltend ist, sodass man eher selbst etwas davon hat, ohne es in der Stadt jedem Fußgänger auch noch aufdrücken zu müssen.
Unter Last wird der Sound über den Auspuff etwas dünner, aber im Innenraum bekommt man dann über einen Soundcomposer die richtige Geräuschkulisse geboten.
Auch hier bin ich also in Zeiten von OPF mega happy mit dem Ergebnis.

Der BMW M4 Competition im Alltag

Nachdem der BMW M4 Competition in allen Sportwagen-Disziplinen brillieren konnte, kommen wir zur Alltagstauglichkeit und dem Platzangebot. Hier muss ja jetzt der Haken zu finden sein. Also zunächst mal den Kofferraum aufgemacht.
Dieser ist genauso groß wie im 4er BMW und hat 440 Liter Fassungsvermögen.
Nicht schlecht. Aber wenn man gut Platz im Kofferraum hat, müssen ja die hinteren Sitze leiden. Und hier überrascht der M4 dann schon derart, dass ich im selben Zuge den 8er BMW nur noch belächeln kann.
Der deutlich kürzere M4 bietet absolut vollwertige hintere Sitze, auf denen auch Erwachsene auf Langstrecken gut sitzen können. Das ist im größeren Bruder, im BMW M8 Coupe, überhaupt nicht der Fall.
Natürlich kann da auch nicht der von mir gerne als Vorzeige-Vergleichs-Sportwagen genutzte Porsche 911 mithalten.

Das Fahrwerk ist zwar auch sehr straff, aber über die optional bestellbaren und 3.800,00€ Aufpreis kostenden Carbon-Sportsitze sitzt man derart gut positioniert im Auto, sodass man sich trotz sehr sportlichen Seitenhalts komfortabel und wohl fühlt.
Die kleinen Schläge in den Rücken werfen einen dann nicht aus der Bahn. Auch wenn Sie absurd viel Geld kosten, Chapeau an BMW für diese geilen Sitze und für mich ein absolutes Muss bei jeder Bestellung (außer man tendiert eher zu Übergewicht, dann sind sie definitiv zu eng).

Fazit des BMW M4 Competition Test

Der BMW M4 Competition ist für mich ein waschechter Sportwagen mit sehr viel Alltagsnutzen. Er sieht klasse aus und hat einen brutal anschiebenden Motor. Wenn man nicht in Regionen mit viel Schneefall wohnt, ist er auch über das ganze Jahr gut einsetzbar. Der Spritverbrauch ist übrigens auch angemessen.
Bei einer längeren Autobahnfahrt mit ungefähr 160 Sache landet man bei genau 10 Litern.
Es gibt tatsächlich nichts, was mir an diesem Auto negativ aufgefallen ist. Er ist daher derzeit mein absolutes Lieblingsauto und ist definitiv auch etwas für mich privat, wenn da mal ein günstiges Leasing kommt. ;)

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